Amprius SA112 6500 mAh (21700) im Test

April 2026




Einleitung und Transparenzhinweis:

Die Amprius SA112 sind in vielerlei Hinsicht besonders. Zum einem bieten sie mit 6500 mAh die derzeit höchste Kapazität im 21700er Format, allerdings nicht bei der typischen Spannung von 3,6/3,7V, sondern bei ungewöhnlichen 3,46V. Damit können sie - auf dem Papier - mit 22,5 Wh etwas weniger Energie speichern als die F63 von Vapcell. Aber ist das wirklich so? Dieser Test klärt es.

Die Akkus (SA112 und F63) wurden mir für diesen Vergleichstest kostenlos von Convoylight zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.



Eckdaten:

Herstellerangaben Messung
Modell: SA112 -
Format: 21700 -
Kapazität (typisch): 6500 mAh -
Kapazität (min.): 6350 mAh -
CDR: 13 A (max. 70°C) -
Nominelle Spannung: 3,46 V (!) Max. 3,48 V @ 0,5A
Energie: 22,5 Wh 23,33 Wh
IR: ≤ 18 mΩ 18,8 mΩ
Gewicht: 72 ± 2g 71,93 g
Maße: - 21,4 x 70,7 mm




Eine ungewöhnliche, aber nicht einzigartige nominelle Spannung von nur 3,46V:

Die Herstellerangabe 3,46V ist sehr ungewöhnlich, wenn auch nicht einzigartig. Bei einer veränderten Spannung könnte man annehmen, dass diese Akkus spezielle Ladegeräte benötigen. Nach meinem Wissen, ist das aber nicht notwendig. Laut Datenblatt liegt die Ladeschlussspannung dieser Akkus bei 4,20V und die Entladeschlussspannung bei 2,5V. Damit können diese Akkus in jedem Ladegerät das für „3,6/3,7V“ Akkus geeignet ist, ebenfalls geladen werden.

Die Eckdaten (21700; etwa 3,5V; 6500 mAh) findet man nicht nur beim Amprius SA112, es gibt auch eine Zelle von BAK die sehr ähnliche Daten hat, die N21700CX-65E. Zu der konnte ich bisher noch kein Datenblatt finden, und kaufen kann man sie (als Endkunde) bisher auch nicht. Aber BAK listet sie auf ihrer Webseite.


Vapcell F63 Amprius SA112 BAK N21700CX-65E
Kapazität 6250 mAh 6500 mAh 6500 mAh
Nominelle Spannung: 3,6 V 3,46 V 3,5 V
Energie: 23,13 Wh 22,5 Wh 22,75 Wh
CDR: 12,5 A 13 A 13 A
Innenwiderstand ≤ 16 mΩ ≤ 18 mΩ ≤ 10 mΩ

Wäre der angegebene Innenwiderstand bei der Zelle von BAK nicht deutlich geringer, würde ich vermuten, BAK produziert die SA112 für Amprius und vertreibt sie auch unter eigenem Namen. Vielleicht war/ist das auch so mal geplant gewesen, oder Amprius bedient den Endkundenmarkt und BAK die Industrie. Vielleicht stimmen die 10 mΩ aber auch gar nicht. Falsche Angaben auf der Produktseite sehe ich sehr häufig, im Datenblatt stehen dann nicht selten andere Werte.

Vielleicht existiert die BAK N21700CX-65E (noch) gar nicht, so wie die BAK N21700CX-71E die man ebenfalls findet. Eine 21700 mit angeblich 7.100 mAh



Messwerte:




Durchschnittliche Spannung ähnlich großer Akkus:





Gesamte Energie im Vergleich:





Maximale Temperaturen:



Allgemeiner Hinweis zu Temperaturen von High-Drain Akkus: Die meisten Modelle haben heutzutage keine CDR mehr (die Stromstärke, bei der die Temperaturen unbedenklich sind). Meistens wird in Datenblättern nur noch ein „Maximum Discharge“ angegeben, und fast immer mit einem Temperaturlimit. Die hier gezeigten Temperaturen sind die bei einem offenen Messaufbau. In Akkuträgern, im Rohr der Taschenlampe oder in einem Akkupack sind die Temperaturen deutlich höher. Ohne Temperaturüberwachung solltest du diese Akku nie dauerhaft mit sehr hohen Strömen belasten.



Auswertung:

Die 6500 mAh werden nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen. 6700 mAh konnte ich messen. Das ist der mit Abstand beste Wert, den ich bisher bei einem 21700er Akku gemessen habe. Die Spannungslage ist dafür etwas geringer. 3,46V gibt Amprius an, 3,48V konnte ich beim entladen mit 500 mA messen. Diese Angabe ist also durchaus sehr nah an der echten Spannung, was bei einer nominellen Spannung nicht selbstverständlich ist.

Die 15A Messung musste ich kurz vor Schluss abbrechen, da der Akku die laut Datenblatt zulässige maximale Oberflächentemperatur von 70°C bereits erreicht hatte.



Vapcell F63 und Amprius SA112 im direkten Vergleich:

Die SA112 haben mehr Kapazität, die F63 dafür eine höhere Spannungslage. Und im direkten Vergleich?






Welcher Akku ist aber nun der bessere? Diese Frage würde man als Leser sicherlich gerne beantwortet haben. Diese Frage kann ich aber nicht beantworten. Hast du eine Taschenlampe mit Linearregler und betreibst sie nicht nur im Turbo? Dann kann es sein, dass der Regler mit der niedrigeren Spannung der SA112 sogar recht effizient läuft und die Laufzeit entsprechend hoch ist. In anderen Anwendungsgebieten kann aber auch der F63 die bessere Wahl sein. Ich stelle euch nur die Messwerte der Akkus zur Verfügung, damit ihr wisst was ihr vom jeweiligen Modell erwarten dürft. Eine generelle Aussage, welches Modell immer besser ist, lässt sich hier nicht treffen.



Amprius' Marketing entzaubert:

Das mich die Entwicklung von Akkus interessiert, wundert wohl niemanden. Warum sonst sollte ich in meiner Freizeit eine Webseite wie diese sonst betreiben? Von angeblich neuen Wunderakkus und/oder neuen Technologien hast du sicherlich auch schon oft gehört. Mit dem Amprius SA112 habe ich einen solchen „Wunderakku“ nun getestet. Amprius nennt ihre Technologie SiCore und verspricht einiges. Zum Beispiel bei der spezifischen Energie:




Schaut man sich nur die Größe der Balken an, müsste der SA112 jedem Akku mit Graphite Anode um den Faktor 10 überlegen sein. Und selbst wenn man sich die Zahlen anschaut, erkennt das die Y-Achse stark abgeschnitten wurde, sind es immer noch über 70% mehr. Realitätscheck:




Auch bei Entladestrom verspricht Amprius viel. Der Begriff kontinuierliche Entladestrom, allgemein als CDR bekannt, wurde in letzter Zeit ohnehin aufgeweicht. Früher war das der Strom, bei der ein Akku ohne thermische Probleme dauerhaft betrieben werden konnte. Mittlerweile ist daraus der Strom geworden, den man überwachen muss um bei 60, 70 oder 80°C abzuschalten. Amprius geht noch einen Schritt weiter, bewirbt „continuous“ - also CDR - mit 5C, schreibt dann aber kaum lesbar noch „für maximal 30 Sekunden“ in die Ecke.




Eine sehr spezielle Vorstellung, die die Marketingmitarbeiter bei Amprius von dem Wort kontinuierlich haben. Realitätscheck: Die F63 von Vapcell haben die 15A geschafft und sind unter 70°C geblieben. Der Amprius SA112 hat das nicht geschafft. Und das sind gerade einmal 2,3C. Für Akkus mit sehr hoher Energiedichte ist es vollkommen in Ordnung, maximal 2 bis 3C echte CDR zu schaffen. Aber warum muss man dann versuchen hier den Eindruck zu erwecken, es wären 5C möglich? Das ist einfach unnötig.

Selbst beim Thema Lebensdauer versucht die Marketingabteilung bei Amprius zu suggerieren, ihre Technologie wäre besser. Schließlich sind größere Balken doch immer besser, oder?




Immerhin stehen die minimal 200 Zyklen als Zahl darunter und jeder kann erkennen, dass die SiCore-Technologie von Amprius auch schlechter sein kann. Aber hast du das beim ersten Blick auf die Grafik auch so negativ wahrgenommen? Vermutlich nicht.

Man möge mich nicht falsch verstehen, ich mag den Fortschritt in der Akkutechnik. Aber dieser Fortschritt ist seit 30, 40 oder 50 Jahren sehr klein. Und genau so klein ist der Fortschritt der SiCore-Technologie von Amprius auch. 5% (Wh/l) bis 7% (Wh/kg) sind ein kleiner Schnitt in die richtige Richtung, der aber auch Nachteile hat bei der Spannungslage. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Marktingabteilungen nicht immer wieder Grafiken mit verzerrten Achsen und verwässerte Definitionen verwenden, um uns das als Gamechanger verkaufen. Aber vermutlich wird man dort genau dafür bezahlt.



Fazit:

Nicht nur 6500 mAh, sondern sogar bis zu 6700 mAh liefern die SA112 von Amprius. Das ist mit Abstand der vermutlich beste Wert aller Zellen, die es derzeit am Markt zu kaufen gibt. Die Spannungslage ist etwas geringer, aber die Energie die gespeichert werden kann, ist dennoch etwa 5% höher, als beim F63 von Vapcell.



Weiterführende Links:

Eine tabellarische Übersicht aller getesteten 3,6V Akkus findet ihr hier.


Hier kannst du diesen Akku kaufen:


Die letzten Tests im Bereich der 3,6V Akkus: